Wenn die Temperaturen im Winter unter den Gefrierpunkt fallen, setzen zahllose Autofahrer Frostschutzmittel ein, damit die Scheibenwischeranlage weiterhin funktioniert. An sich kein Problem – doch Tierhalter unterschätzen dabei die Gefahr, die von den handelsüblichen Frostschutzmitteln für Hunde und Katzen ausgeht.

Gefährliche Süße für Haustiere

In Frostschutzmitteln kommt eine chemische Substanz namens Ethylenglykol zum Einsatz, die den Gefrierpunkt stark absenkt. Wird dem Wasser in der Scheibenwischeranlage beispielsweise 1:1 Ethylglykol beigemischt, gefriert das Wasser erst bei minus 40°C – Temperaturen die in Deutschland nicht erreicht werden. Auch in sogenannten Schlossenteisern kommt Ethylenglykol zum Einsatz, sowie beim Enteisen der Flugzeugtragflächen und für viele andere Zwecke.

Das Problem: Während die meisten Chemikalien schon durch ihren Geruch von einer eventuellen Kostprobe abhalten, riecht und schmeckt Ethylenglykol süßlich. Wer noch in der Schule Griechisch gelernt hat, erkennt das griechische Wort Glykos, aus dem sich auch der Begriff Glucose ableitet. Tropft nun beim Befüllen der Scheibenwischeranlage etwas Frostschutzmittel auf den Boden, bildet sich eine kleine Pfütze, die für Haustiere unwiderstehlich süß riecht – und schmeckt. Dabei genügen schon wenige Milliliter Ethylenglykol um eine tödliche Vergiftung auszulösen.

Wie erkenne ich eine Vergiftung bei Hund oder Katze?

Hat der Hund oder die Katze versehentlich etwas Frostschutzmittel vom Boden aufgeleckt, verhält sich das Tier zunächst meist wie betrunken: Es torkelt unsicher umher und wirkt zunächst aufgedreht, ehe es auf einmal sehr schläfrig wird. Oft kommt es auch zu Erbrechen und Übelkeit. Anschließend tritt häufig eine scheinbare Verbesserung des Zustandes ein, doch dann wird es kritisch, denn die Abbauprodukte des Ethylenglykols lösen nun schwere Nervenschäden aus, Hypothermie, Krämpfe und beginnendes Nierenversagen.

Sollte sich Hund oder Katze also auf einmal seltsam benehmen, sollte der Besitzer schnellstens überlegen, woher die Symptome kommen könnten. Wurde beispielsweise beim Kochen etwas Rum verschüttet oder ein fast leeres Glas Wein umgekippt? Oder wurde möglicherweise eben in der Garage Frostschutzmittel ins Auto gefüllt? In letzterem Fall muss das Haustier unbedingt möglichst schnell zum Tierarzt gebracht werden. Auch wenn dem Besitzer gerade keine konkreten Auslöser einfallen, muss der Tierarzt aufgesucht werden: Der Hund könnte beispielsweise beim Gassi gehen Frostschutzmittel aufgeleckt haben oder die Katze beim Herumstromern im Hof des Nachbarn.

Die Behandlung der Vergiftung mit Frostschutzmitteln

Als erste Hilfe können schon zuhause Kohletabletten gegeben werden um die Metabolisierung des Ethylenglykols zu verzögern. Wird dann mit der tierärztlichen Behandlung begonnen, ehe sich gefährliche Abbauprodukte gebildet haben, kann das Tier meist gerettet werden. Wurde beobachtet wie das Frostschutzmittel aufgeleckt wurde, kann das Erbrechen künstlich herbeigeführt werden, so dass das Ethylenglykol erst gar nicht den Darmtrakt erreicht. Ansonsten wird ein Gegengift (meist Ethanol) gegeben um eine Metabolisierung des Ethylenglykols zu verhindern. Zusätzliche Hilfsmaßnahmen können beispielsweise die Stabilisierung der Nierenfunktionen mit einer Infusion oder sogar eine Hämodialyse sein.

Übrigens ist Frostschutzmittel nicht nur für Haustiere gefährlich: Auch Kinder können sich eine tödliche Vergiftung zu ziehen, wenn sie einige Schlucke der scheinbar unschuldigen süßlichen Flüssigkeit nehmen. Daher sollte Frostschutzmittel immer sorgfältig an einem kindersicheren Ort aufbewahrt werden. Um die Haustiere zu schützen, kann es sinnvoll sein, Frostschutzmittel nur außerhalb des Hauses nachzufüllen, zum Beispiel an der Tankstelle.