Tierliebe

Nacktkatzen, die keine unliebsamen Haare hinterlassen, scheinbar niedliche Hunde mit Babygesicht oder winzige Pferdchen als Kuscheltier für kleine Mädchen: Überzüchtete Tiere sind weit verbreitet, doch kaum jemand denkt darüber nach, welche Leiden das extreme und keineswegs artgerechte Aussehen verursacht. Mit der neuen bundesweiten Plakatkampagne „umdenken – tierzuliebe“ will die Bundestierärztekammer nun das Bewusstsein der Bevölkerung stärken. Schließlich würden diese Tiere nicht mehr gezüchtet, wenn keine Nachfrage nach ihnen bestünde.

Tierquälerei auf Nachfrage

Der Mops mit flacher Nase und großen Kulleraugen erinnert in seinen Gesichtszügen ein wenig an ein menschliches Baby und wird als entsprechend niedlich empfunden. Er, wie auch andere ähnliche Hundezüchtungen, werden weniger als klassisches Haustier zum Liebhaben, Spazierengehen und Spielen erworben, sondern eher als Lifestyle-Produkt, das sich gut auf Instagram und anderen Social Media-Kanälen macht. Dass es sich um ein Lebewesen handelt, das stark unter seinem Erscheinungsbild leidet, ist den meisten gar nicht bewußt.

Hunde wie der Mops und auch die englische und französische Bulldogge werden aufgrund des gerundeten Kopfs mit breiter verkürzter Nase auch als kurzköpfige Hunde bezeichnet. Die unnatürliche Gesichtsform wurde dabei im Laufe der Zeit bewusst herangezüchtet – ohne Rücksicht auf die Gesundheit des Hundes. So leidet über die Hälfte der kurzköpfigen Hunde unter Atembeschwerden und sind kaum in der Lage zu laufen oder herumzutoben. Viele der Tiere sind gezwungen, im Sitzen zu schlafen, weil ihnen im Liegen der Erstickungstod drohen könnte. Daher zählen kurzköpfige Hunde zu den sogenannten Qualzuchten. Zwar gibt es bereits seit längerem den sogenannten Qualzuchtparagrafen §11b im Tierschutzgesetz, der solche Züchtungen verbietet, doch da die Nachfrage nach scheinbar niedlichen Hunden und anderen Qualzüchtungen steigt, soll nun eine Kampagne das Bewusstsein für dieses Problem schärfen und Tierfreunde ermutigen, auf den Kauf solcher Tiere zu verzichten. Züchter sollen angeregt werden, auf gesunde artgerechte Zucht zu achten.

Neben Hunden sind auch Katzen und Kaninchen betroffen

Neben kurzköpfigen Hunden und Hunden mit extrem langem Rücken und kurzen Beinen (überzüchtete Dackel) zählen auch Nacktkatzen und schwanzlose Katzen wie die Manx zu den Qualzuchten. Eine relativ junge Erscheinung ist die sogenannte schottische Faltohrkatze mit nach vorne hängenden Ohren. Dabei handelt es sich um eine genetische Mutation, die seit den 60ern Jahren bewusst gezüchtet wird. Allerdings führt die Fehlstellung der Ohren zu gesundheitlichen Problemen wie Ohrmilbenbefall und Taubheit. Dazu deuten Studien darauf hin, dass die genetische Mutation, die die Faltohren verursacht, für Osteochondrodysplasien (Wachstumsstörungen des Skelettes) verantwortlich ist. Die Einstufung als Qualzucht nach §11b ist jedoch umstritten, da sich viele Katzen bester Gesundheit erfreuen. Selbst Kaninchen bleiben nicht verschont: Bei ihnen gelten extrem kleine Rassen, Kaninchen mit rundem Kopf (die ebenfalls dem Kindchenschema entsprechen) und besonders langen Ohren als Qualzuchten.

Im Rahmen der Kampagne will die deutsche Tierärztekammer mit Plakaten, Flyern, Postkarten und anderen Materialien in Tierarztpraxen, Fachgeschäften und an anderen Orten auf das Problem aufmerksam machen. Weiterführende Informationen sind hier erhältlich.

Bildnachweis: Datei: #120965550 | Urheber: Fabio Balbi – fotolia