Hund alleine zu Hause

Viele Hundebesitzer stehen vor einem moralischen Dilemma, wenn sie einige Stunden weggehen wollen, oder gar eine Berufstätigkeit aufnehmen werden. Der Hund schaut mit großen traurigen Augen zu, wie Frauchen den Mantel anzieht und läuft ihr noch bis zur Haustüre nach – oder bellt ihr sogar hinterher. Das schlechte Gewissen beim Einkaufsbummel oder beim Abendessen mit Freunden ist dann vorprogrammiert. Aber wo beginnt wirklich die Tierquälerei und wo muss der Mensch auch mal hart bleiben?

Hunde mit Trennungsangst

Am einfachsten ist es, einen Welpen von Anfang daran zu gewöhnen, dass Herrchen oder Frauchen täglich einige Stunden das Haus verlässt. Der Hund sollte natürlich auf keinen Fall den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben! Zudem muss das „ALLEINE SEIN“ geübt werden. Nur ein langsames, ständiges wiederholen kann dem Tier die Angst nehmen. Bitte lassen Sie einen kleinen Welpen auf keinen Fall mehrere Stunden alleine. Jeder Hund ist anders! Nehmen Sie sich die Zeit, Vertrauen aufzubauen.

Schwieriger ist es bei erwachsenen Hunden, die dies nie gelernt haben und bei Hunden, die schon einmal das Trauma durchlebten, ausgesetzt worden zu sein. Diese Hunde reagieren mit Bellen, Jaulen oder ausdauerndem Winseln darauf, allein gelassen zu werden – oder mit einem Wutanfall, in dem sie Polster, Decken oder Kleidungsstücke zerfetzen.  Manche Tiere erledigen auch ihr Geschäft in der Wohnung, wobei hier fraglich ist, ob es sich um eine Trotzreaktion auf das Alleinsein handelt oder schlicht und ergreifend um zu langes allein sein und eine fehlende Möglichkeit, sich zu erleichtern.

Generell sollten Hunde ohnehin nicht länger als vier bis maximal sechs Stunden allein gelassen werden.  Wer dem Hund nicht zumindest den Zugang zum eigenen Garten ermöglichen kann, um dort in Abwesenheit seines Besitzers sein Geschäft zu verrichten,  oder einen zuverlässigen Hundesitter hat, der sich tagsüber um das Tier kümmert, sollte auf einen Hund lieber verzichten.

Besonders anhängliche Hunde mit Spielzeug ablenken

Hundespielzeug

Problematisch ist es für Hundebesitzer meist, wenn der Hund ganz besonders anhänglich ist und sofort hinterher läuft, wenn sich Herrchen für eine Minute entfernt – und wenn es nur zur Toilette ist. Dann sollte der Hund Schritt für Schritt dazu erzogen werden, das Wegbleiben des Besitzers zu akzeptieren – zunächst für einige Minuten, später auch für eine und schließlich mehrere Stunden. Hilfreich ist es dabei, dem Hund Ablenkungsmöglichkeiten zu geben, zum Beispiel einen Kauknochen, mit dem er beschäftigt ist, während Herrchen die Wohnung verlässt.

Für Hunde kann es auch hilfreich sein, wenn mit der Trennung keine bestimmten Rituale verbunden sind, zum Beispiel das ewig gleiche Ritual „Schuhe vom Regal nehmen, im Sessel anziehen, Mantel vom Haken nehmen, Anziehen, Tasche nehmen, gehen“  – dann weiß der Hund schon beim Griff nach den Schuhen, dass er gleich allein gelassen wird und beginnt zu winseln und zu jaulen.

Therapierbare Verhaltensstörung

Extreme Anhänglichkeit ist übrigens KEIN positiver Wesenszug, auch wenn manche Besitzer dies so sehen, sondern eher eine Verhaltungsstörung. Im Zweifelsfalle ist es immer sinnvoller mit dem Tierarzt zu sprechen, der möglicherweise einen Trainer oder Therapeuten empfehlen kann um extreme Anhänglichkeit in den Griff zu bekommen.

Schließlich sollten sich Besitzer auch eines vor Augen behalten: Kann der Hund unmöglich 2-3 Stunden allein gelassen werden, muss er zwangsläufig mitgenommen werden – auch auf belebte Einkaufsstraßen, zu Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen mit furchtbarem Gedrängel, oder angebunden vor Geschäften auf Frauchen warten. Dies ist letztendlich die größere Tierquälerei gegenüber einer soliden Erziehung zum Allein bleiben.