kaninchen

Offiziell heißt die Krankheit Enzephalitozoonose, doch im Volksmund ist sie aus offensichtlichen Gründen besser als Schiefkopfkrankheit oder Sternenguckerkrankheit bekannt. Das betroffene Kaninchen hält dann den Kopf oft stundenlang zur Seite geneigt oder sogar nach hinten verdreht. Allerdings tritt dieses Symptom nur etwa der Hälfte aller betroffenen Tiere auf.

Was ist die Schiefkopfkrankheit?

Verursacht wird die Krankheit durch das Enzephalitozoon Cuniculi, einen pilzartigen Einzeller (Mikrosporium), der sich in einem (oder mehreren) innerem Organen des Kaninchens einnistet. Bei vielen Kaninchen ist E.Cuniculi latent vorhanden, d.h. das Kaninchen lebt jahrelang mit dem Parasiten im Körper, ohne dass es zu einem akuten Krankheitsausbruch kommt. Dies führt dazu, dass latent infizierte Kaninchen den Erreger über ihr Urin ausscheiden und er von anderen Kaninchen dann beim Fressen übernommen wird. In Deutschland ist vermutlich die Hälfte aller Kaninchen mit E.Cuniculi infiziert, ohne dass es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt.

Wieso die Krankheit ausbricht, konnte medizinisch noch nicht eindeutig geklärt werden. Vermutet wird ein Zusammenhang mit starkem Stress. So sind häufiger Kaninchen getroffen, die unter schlechten Haltungsbedingungen leiden, in „Einzelhaft“ gehalten werden oder die ihren Partner verloren haben. Allerdings kann es durchaus auch Kaninchen treffen, die unter eigentlich optimalen Bedingungen in liebevoller Pflege leben.

Wie macht sich die Schiefkopfkrankheit bemerkbar?

Der Parasit nistet sich bevorzugt im zentralen Nervensystem ein. Dadurch kann es zu der bereits erwähnten schiefen Kopfhaltung kommen. Allerdings kann eine Schiefkopfhaltung auch durch andere Krankheiten, z.B. eine Ohrenentzündung, verursacht werden, so dass der Besitzer nicht auf eigene Faust eine Diagnose stellen sollte. Dies wird dem Tierarzt nach eingehender Untersuchung überlassen.

Die schiefe Kopfhaltung betrifft jedoch nur etwa die Hälfte der mit E.Cuniculi befallenen akut erkrankten Kaninchen. Andere Tiere leiden unter Lähmungserscheinungen der Hinterbeine, die nur noch mühselig nachgezogen werden, Gleichgewichtsproblemen oder einer völligen Orientierungslosigkeit, bei der sie „wie betrunken“ herumkullern.

E.Cuniculi kann auch die Augen befallen und eine Uveitis auslösen, bei der sich ein weißer Schleier über das Auge legt, so dass das Kaninchen kaum noch etwas sehen kann. Andere innere Organe sind seltener betroffen, doch auch Niereninsuffizienz (nach Befall der Nieren), Leberschäden und Herzprobleme können durch E.Cuniculi verursacht werden.

Wie behandelt der Tierarzt einen akuten E.Cuniculi-Ausbruch?

Da sehr viele Kaninchen latent mit E.Cuniculi infiziert sind, kann der Tierarzt nur schwer eine Diagnose stellen. Meist wird mit Hilfe des Immunfluoreszenztests die Titerhöhe bestimmt, d.h. die Anzahl der Erreger im Blut. Je höher der Titer, umso größer die Wahrscheinlichkeit einer akuten Infektion. Allerdings können auch Tiere mit niedrigem Titer akut erkrankt sein, während manche Tiere mit hohem Titer gesund sind.

Der Tierarzt verabreicht dem Kaninchen meist ein Antiwurmmittel wie Fenbendazol (Panacur) oder Albendazol (Valbazen), damit die Erreger abgetötet und ausgeschieden werden. Zeigt das Kaninchen schon neurologische Schäden wie die Schiefkopfhaltung oder Lähmungen wird meist zusätzlich ein Antibiotikum verabreicht. Hochdosiertes Vitamin B12 stärkt die beschädigten Nerven.

Wichtig: Es ist in der Regel nicht sinnvoll, das erkrankte Kaninchen von seinem Partner zu trennen. Tragen Kaninchen E.Cuniculi latent in sich, scheiden sie bei einem akuten Ausbruch nicht mehr Erreger aus als zuvor. Meist ist das Partnerkaninchen ohnehin schon latent infiziert. Die Trennung würde also nur für zusätzlichen Stress bei beiden Kaninchen sorgen und kann den Heilungsverlauf des erkrankten Tieres negativ beeinflussen.