Katze hat Stress

Nicht nur der Mensch leidet immer häufiger unter Stress, auch seine Haustiere sind zunehmend von diesem Problem betroffen. Natürlich müssen sich Katzen keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz oder ihren Kontostand machen, doch dafür leiden sie häufig unter dem Fehlverhalten ihrer Zweibeiner. Doch wie können diese erkennen, dass ihr Stubentiger gestresst ist?

Was ist Stress überhaupt?

Stress wurde von Mutter Natur ursprünglich als sinnvolle Reaktion auf Ausnahmezustände entwickelt. Stand der frühe Homo Sapiens in der Wildnis auf einmal einem Säbelzahntiger gegenüber, schüttete sein alarmierter Körper die Stresshormone Kortisol und Adrenalin aus. So wurden Energiereserven freigesetzt, die ihm über alle Schmerzgrenzten hinweg die Flucht vor dem übermächtigen Feind ermöglichte. Auch heute noch reagiert der Körper auf bedrohliche Zustände mit Stress. Für den Menschen ist dies möglicherweise der Druck am Arbeitsplatz oder die Angst vor der Zukunft. Für die Katze sind es Veränderungen in Ihrem Revier, der Kontakt mit unangenehmen zwei- oder vierbeinigen Lebewesen (z.B. tobenden Kindern oder bellenden Hunden) oder Aspekte einer nicht artgerechten Haltung (z.B. fehlende Rückzugsräume).

Wie lässt sich Stress bei der Katze erkennen?

Letztendlich unterscheiden sich die Stresssymptome bei der Katze nur wenig von denen der Menschen: Die Katze wird schnell aggressiv, faucht und schlägt mit den Tatzen zu, statt wie früher verspielt und fröhlich zu sein. Spielzeug ignoriert sie ganz kurzer Zeit oder ganz. Viele Katzen ziehen sich zurück und bleiben stundenlang verschwunden oder ziehen unruhig und unter lautem Miauen durch die Zimmer. Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, kann es sein, dass die Katze ihren Appetit verliert und das Fressen verweigert. Auch ein übersteigerter Putzdrang kann ein Zeichen für Stress sein. In manchen Fällen vergisst die Katze sogar die Benutzung des Katzenklos und erleichtert sich spontan in der nächstbesten Ecke. Schimpft der Besitzer das Tier dann auch noch aus, erhöht sich der Stresspegel weiter.

Was tun, wenn die Katze Stress hat?

Stellt der Besitzer fest, dass seine Katze eindeutige Stresssymptome zeigt, ist Ursachenforschung angesagt. In manchen Fällen kann dies ganz einfach sein: Die Oma ist für eine Woche zu Gast und stört die Ruhe der Katze mit ihrem ständigen Gerede und lauten Lachen oder der Hund der Nachbarn wurde für zwei Wochen aufgenommen, während seine Zweibeiner in Urlaub sind. In diesen Fällen lässt sich nicht viel machen – hier sollte nur darauf geachtet werden, dass die Katze ausreichende Rückzugsräume hat.

Oft ist jedoch ein unbewusster falscher Umgang mit der Katze die Ursache. So stresst es die einzelgängerische ruhebedürftige Katze ungemein, wenn sie immer wieder gegen ihren Willen hochgehoben wird um sie im Schoss zu streicheln oder zum Spielen zu zwingen, wenn sie dösen will. Katzen sind sehr lärmempfindlich und leiden unter hoher Lautstärke: Ein Kleinkind, das beim Spielen laut und schrill kreischt, dröhnende dumpfe Bässe aus dem Teenagerzimmer oder Baulärm von einer Baustelle gegenüber strapazieren ihr Nervenkostüm enorm. Auch Gerüche können sie belasten, z.B. intensiv riechende Duftkerzen im Zimmer, Parfüms oder Rauchmittel wie Zigaretten und Cannabis.

Problematischer sind Stressreaktionen der Katze auf einen „Eindringling“ im Revier, z.B. wenn der neue Freund der Halterin in die Wohnung einzieht oder ein Baby Einzug hält. Hier ist es wichtig der Katze zu zeigen, dass sie durch den Neuling keine Nachteile hat und nicht vernachlässigt wird.

Wie kann der Tierarzt helfen wenn die Katze Stress hat?

Gegen den tatsächlichen Stress kann der Tierarzt in der Regel nichts ausrichten: Hier liegt es am Halter, die Stressquellen zuhause zu beseitigen. Zeigt die Katze jedoch Symptome wie Appetitlosigkeit oder benutzt ihre Toilette nicht mehr, sollte sie dem Tierarzt vorgestellt werden um mögliche andere krankheitsbedingte Ursachen zu klären. Dazu kann der Tierarzt bei Bedarf ein leichtes Beruhigungsmittel empfehlen um den Stress bei zeitlich begrenzten Problemen zu lindern.

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