Kaninchen

Kokzidien sind Einzeller, die im Magen-Darm-Trakt von Säugetieren, Vögeln, Fischen und Reptilien leben. Zwei Arten sind auch im menschlichen Darm zu finden. Normalerweise leben die Kokzidien im Einklang mit ihrem Wirt ohne weitere Probleme zu verursachen. Gerät jedoch die natürliche Balance aus dem Gewicht und die Kokzidien vermehren sich sprunghaft, kommt es zur Erkrankung, der sogenannten Kokzidiose.

Besonders häufig sind Kaninchen betroffen, die einen ohnehin sehr empfindlichen Magen-Darm-Trakt haben und in deren Darmflora rund 28 verschiedene Kokzidien leben. Problematisch ist dabei auch, dass sich die Tiere rasant untereinander anstecken. Junge, alte und kranke Kaninchen sind dabei besonders gefährdet.

Wichtig zu wissen: Kokzidien können vom Kaninchen auf andere Haustiere wie Hunde und Katzen übertragen werden, wenn diese mit dem Kaninchenkot in Berührung kommen. Bei ihnen macht sich Kokzidiose mit Durchfall bemerkbar und muss ebenfalls behandelt werden.

Leber- und Darmkokzidiose

Unterschieden wird zwei verschiedenen Formen der Kokzidiose beim Kaninchen: Die Gattung Eimeria stiedae ist für die Leberkokzidiose verantwortlich, die das Epithel des Gallengangs befällt. Oft verläuft die Infektion unbemerkt, doch in schweren Fällen kommt es zu Aufgasung, Verstopfung, Gelbsucht oder Bauchfellwassersucht mit tödlichem Ausgang.

Verschiedene andere Kokzidien können die Darmkokzidiose auslösen, die wässerigen oder blutigen Durchfall verursacht. Durch den enormen Flüssigkeitsverlust sterben viele Kaninchen schon nach kurzer Zeit an Dehydrierung. Jungtiere sind allgemein stärker von Kokzidiose betroffen als ältere Tiere.  Bei diesen verläuft die Darmkokzidiose oft harmloser und äußert sich lediglich in Appetitlosigkeit und allgemeiner Schwäche

Wie wird Kokzidiose erkannt und behandelt?

Typische Symptome für die Darmkokzidiose sind Aufgasungen, Durchfall, matschiger Kot, Futterverweigerung und andere Magen-Darm-Probleme. Im fortgeschrittenen Stadium tritt auch Ausfluss aus der Nase und dem Maul auf. Eine Leberkokzidiose ist äußerlich kaum zu erkennen. Die Tiere wirken nur allgemein krank und matt und mögen nicht fressen. Beim Streicheln lässt sich möglicherweise eine Schwellung ertasten.

Besteht Verdacht auf Kokzidiose, sollte das Kaninchen so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht werden. Dies auch zum Schutz vor Absteckung anderer Kaninchen in der Gruppe. Der Tierarzt hält verschiedene Medikamente bereit, die gezielt gegen die Kokzidien vorgehen. Dazu kann er ein Mittel zur Stärkung der Darmflora geben. Wird die Infektion rechtzeitig entdeckt, sind die Chancen auf Genesung sehr gut.

Wie lässt sich Kokzidiose beim Kaninchen vorbeugen?

Jungtiere infizieren sich oft schon kurz nach der Geburt bei ihrer Mutter oder bei anderen Kaninchen. Hält ein neues Kaninchen Einzug, ist es sinnvoll, das Tier erst dem Tierarzt vorzustellen. Dieser wird eine Kotprobe entnehmen und bei Bedarf eine Behandlung durchführen. Wird kein Kokzidienbefall festgestellt, darf sich das neue Tier zu den anderen Kaninchen gesellen.

Bei bereits im Haushalt lebenden Kaninchen können verschiedene Ursachen zur rasanten Vermehrung der Kokzidien im Darmtrakt und damit zur Kokzidiose führen. Eine Hauptursache ist Stress durch unsachgemäße Haltung in kleinen Käfigen und/oder in Einzelhaltung, ein unbedarfter Umgang mit den sensiblen Tieren (z.B. ständiges schnelles Hochnehmen aus dem Käfig und Lärm) oder Unfrieden innerhalb der Kaninchengruppe. Kaninchen brauchen viel Freiraum zum Herumhoppeln: Dadurch wird die Verdauung angeregt und Kokzidien haben keine Chance.

Doch auch die falsche Fütterung kann eine Kokzidiose auslösen, z.B. wenn das Kaninchen nicht ausreichend mit frischem Grünfutter versorgt wird und nur überreiches Trockenfutter bekommt. Der Tierarzt gibt gerne Tipps zur gesunden Ernährung von Kaninchen. Nicht zuletzt darf der Halter die Hygiene nicht vernachlässigen: Der Kaninchenstall muss regelmäßig ausgemistet und gründlich gereinigt werden. Das tägliche Heu sollte in eine Heuraufe gefüllt werden und nicht einfach auf den Boden geworfen werden, wo es sich mit dem Kaninchenkot vermischt.

Bildnachweis:  Datei: #114060681 | Urheber: Tyler Olson – fotolia