Labrador

Der Epilepsiewarnhund gehört wie der Blindenhund und der Diabetikerwarnhund zu den Assistenzhunden, die ihre Besitzer vor einem drohenden Epilepsieanfall warnen und sie zum Hinsetzen oder Hinlegen veranlassen. Für Epileptiker bedeutet die Begleitung durch einen Warnhund eine enorme Steigerung der Lebensqualität.

Was ist Epilepsie und wie kann ein Hund helfen?

Epilepsie ist ein bis heute nicht eindeutig geklärtes Leiden, das in manchen Fällen angeboren ist (Miss- und Fehlbildungen in den Gehirngefäßen) oder aufgrund von Trauma nach Unfällen oder durch Infektionen im Gehirn entsteht. Kennzeichnend für Epilepsie sind plötzlich auftretende starke Krämpfe, die oft zu Stürzen führen. Verursacht werden die Krämpfe durch überreagierende Nervenzellen und elektrische Aktivität in den neuronalen Netzwerken. Da Betroffene meist nicht vorausahnen können, ob und wann sie ein Anfall trifft, sind sie in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt und verlassen das Haus nur, wenn es unbedingt sein muss. Manche Patienten können mit speziellen Medikamenten behandelt werden, die Anfälle unterdrücken. Zeigen diese Medikamente keine Wirkung, kann stattdessen ein Epilepsiewarnhund eine wichtige Hilfe sein.

Eine Studie hatte in den 90er-Jahren in Florida gezeigt, dass Hunde, die mit Epileptikern zusammenlebten, teilweise in der Lage waren, einen Anfall im Voraus zu erkennen und ihre Besitzer quasi zu warnen. Spätere vergleichbare Studien bestätigten dies. Auf welche Art und Weise die Hunde die Anfälle vorausahnen, konnte bis heute nicht geklärt werden. Vermutet wird eine Reaktion auf bestimmte Duftstoffe und auf Veränderungen im Herzrhythmus und bei der Sauerstoffsättigung des Patienten.

Zum Epilepsiehund geboren – oder nicht

Die Studien ergaben außerdem, dass Hunde die Erkennung eines epileptischen Anfalls nicht „erlernen“ können Entweder sie besaßen eine angeborene extreme Sensibilität oder nicht. Große Hunderassen zeigen sich dabei im Schnitt sensibler als kleinere Hunderassen. So sind es heute meistens Golden Retriever, Collies, Schäferhunde, Akitas und ähnliche Rassen, die zum Epilepsiewarnhund ausgebildet werden. Welpen zeigen schon in den ersten Wochen entsprechend große Sensibilität. Werden geeignete Hunde entdeckt, können sie in Ausbildungszentren zum Assistenzhund ausgebildet werden. Sie werden dort geschult um Anfälle noch besser und früher zu erkennen und ihre Besitzer zu warnen. Dies kann zum Beispiel durch das Auflegen der Pfote aufs Knie geschehen. Der Epileptiker weiß dann, dass er sich möglichst schnell ins Bett oder auf die Couch legen sollte, um einen Sturz durch einen plötzlich auftretenden Anfall zu vermeiden. Ist er unterwegs, kann er schnellstmöglich eine Sitzgelegenheit aufsuchen, zum Beispiel eine Parkbank. Manche Hunde werden auch darin geschult, einen Notfallknopf zu betätigen um einen Angehörigen zu alarmieren oder dem Betroffenen sein Telefon zu bringen.

Für wen ist ein Epileptikerwarnhund geeignet?

Da Hund und Herrchen rund um die Uhr zusammen sein werden, können Epileptikerwarnhunde nur an Hundefreunde abgegeben werde, die obendrein nicht allergisch auf Hundehaare reagieren dürfen. Dazu muss dem Hund ein artgerechtes Lebensumfeld geboten werden können, d.h. ein Garten mit Auslauf oder die Möglichkeit längerer Spaziergänge. In der Regel verbringen Hund und zukünftiger Besitzer einige Wochen oder Monate unter Aufsicht des Trainers miteinander, so dass sie sich aneinander gewöhnen können.

Zu beachten sind die hohen Kosten: Ein ausgebildeter Epilepsiewarnhund kostet etwa 10.000 bis 15.000 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in wenigen Fällen. Daher sollte die Kostenübernahme unbedingt vorher abgeklärt werden.  

Bildnachweis: © Parilov #213663259 – stock.adobe.com