blindenhund

Der Hund als bester Freund des Menschen kann vielfältige Aufgaben übernehmen. Er leistet seinem Herrchen oder Frauchen nicht nur Gesellschaft, sondern schützt als Wachhund Haus und Hof, spürt dank seiner feinen Nase als Polizeihund Drogen oder Sprengstoff auf und rettet verschüttete Menschen aus Trümmern oder Lawinen. Eine der schönsten Aufgaben, die ein Hund für den Menschen übernehmen kann, ist die Begleitung als Blindenhund. Ein gut ausgebildeter Blindenhund ersetzt dem Menschen das fehlende Augenlicht und führt ihn sicher durch den Alltag.

Wie kann der Blindenhund dem Menschen helfen?

Blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen können die Welt vor der eigenen Haustür kaum einschätzen. Da genügt es schon, dass der Nachbar Sperrmüll auf den Bürgersteig gestellt hat und der Blinde steht auf einmal einem völlig unerwarteten Hindernis gegenüber. Für sehende Menschen ist es ein Kinderspiel, vor einer Baustelle das Hinweisschild „Bitte auf die andere Straßenseite wechseln“ zu lesen und ihm Folge zu leisten, doch der Blinde steht auf einmal ratlos vor der Sperre. Ein Blindenstock ist da nur eine eingeschränkte Hilfe, denn er kann zwar auf die Existenz eines Hindernisses hinweisen, aber keinen praktischen Lösungsweg anbieten. Hier hilft der Blindenhund: Er führt seinen Menschen sicher um die Baustelle herum.

Der Blindenhund erkennt Stufen und andere Hindernisse, sieht, wenn einzelne Menschen oder Gruppen den Weg versperren und ist darauf trainiert, bestimmte Wege selbständig zu finden. Dann genügt es, wenn der Besitzer „Bus“ sagt und der Hund weiß sofort, dass er ihn zur Bushaltestelle führen soll. Der Blindenhund ist jedoch noch mehr als nur ein hilfreicher Führer. Er ist auch Freund und Vertrauensperson, bietet moralische Unterstützung in schweren Situationen und bietet oft sogar einen Anknüpfungspunkt für Gespräche mit sehenden Menschen in der Öffentlichkeit.

Wie wird der Blindenhund ausgebildet?

Nicht jeder Hund ist als Blindenführhund geeignet. Meist sind es Schäferhunde, Labradore und Golden Retriever, die aufgrund ihrer ruhigen unaufgeregten Art und Intelligenz zu Blindenhunden ausgebildet werden. Ein zukünftiger Blindenhund sollte einen nur sehr gering ausgeprägten Jagdtrieb haben, damit er in der Öffentlichkeit stets zuverlässig bei seinem Besitzer bleibt.

Blindenhunde stammen heute meist aus speziellen Zuchtbetrieben und beginnen schon nach der Entwöhnung von der Mutter mit der ersten Ausbildung. Dabei lernen sie gute Manieren und Friedfertigkeit. Junge Hunde, die sich bewährt haben und körperlich vollkommen gesund sind, beginnen dann mit 12-15 Monaten die eigentliche Schulung zum Blindenhund. Er lernt nicht nur Stufen und hohe Bürgersteigkanten zu erkennen und vor ihnen stehenzubleiben, sondern erkennt auch Zebrastreifen, Fußgängerampeln und Aufzüge. Er hilft dem Menschen die richtige Bushaltestelle zu finden, in den Bus zu steigen und einen Sitzplatz zu finden und hält in der Öffentlichkeit nach Ruheplätzen wie Sitzbänken Ausschau. Neben den üblichen Befehlen wie „Sitz“ und „bei Fuß“ lernt der Blindenhund eine ganze Reihe von Hörzeichen wie das bereits erwähnte „Bus„, aber auch „Postamt„, „Supermarkt„, „Friseur“ und vieles mehr.

Wer darf einen Blindenhund halten?

Nicht jeder blinde und sehbehinderte Mensch kommt automatisch als Halter eines Blindenführhundes in Frage. Der Mensch muss gut mit Tieren umgehen können und die richtige Balance zwischen Liebe und Strenge finden, denn auch ein Blindenhund wird austesten, wie weit er gehen darf. Weiterhin muss der Mensch einen guten Orientierungssinn besitzen, denn der Hund wird nicht immer wissen, wohin es gehen soll.

Um überhaupt Anspruch auf einen Blindenführhund zu haben, muss das Sehvermögen bei unter 2% (Blindheit) bzw. unter 5% (hochgradige Sehbehinderung) liegen. Der Augenarzt wird eine Verordnung ausstellen, so dass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Da die Nachfrage nach Blindenhunden größer ist als das Angebot, kann es zu einigen Monaten Wartezeit kommen. Hund und zukünftiger Halter absolvieren dann einen gemeinsamen Einweisungslehrgang und legen eine Gespannprüfung ab. Damit beweist der Halter, dass er gelernt hat, mit seinem Hund umzugehen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel nicht nur die Anschaffungskosten für den Hund, sondern auch die laufenden Kosten für Futter, Tierarztbesuche, etc.

Weitere Auskunft zum Thema Blindenhunde erteilen die Landesvereine des Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverbandes (www.dbsv.org)