Verhaltensstörungen

Sensibles Tier oder überängstlich? Spielfreudig und lebhaft oder schon aggressiv mit Hang zum Zuschnappen? Für Tierbesitzer ist es nicht immer einfach, Verhaltensstörungen beim eigenen Hund zu erkennen, bzw. sich ehrlich einzugestehen, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt. Wie können Sie feststellen, ob Ihr Liebling möglicherweise behandlungsbedürftig ist?

Wie kommt es zu Verhaltensstörungen?

Meist liegen die Ursachen in der Kindheit des Hundes. Wurde er bereits als Welpe schlecht behandelt oder falsch erzogen, wirkt sich dies natürlich auch auf den erwachsenen Hund aus. In manchen Fällen kann jedoch auch eine organische Erkrankung ursächlich sein. Wenn dem Hund beispielsweise einfach keine Stubenreinheit anzugewöhnen ist und es immer wieder zu „Unfällen“ im Haus kommt, kann durchaus eine Nierenerkrankung dahinterstecken. Darum ist es immer sinnvoll, den Hund zunächst dem Tierarzt vorzustellen, um körperliche Ursachen abzuklären und diese ggf. mit Medikamenten zu behandeln. Liegen jedoch psychologische Probleme zugrunde, steht Ihnen ein langer Weg bevor. Mit viel Geduld und Liebe lassen sich manche Verhaltungsstörungen aberziehen. In schwereren Fällen ist es sinnvoll, Hilfe bei einem Profi zu suchen, z.B. bei einem Tierpsychologen oder Tiertrainer.

Verschiedene Formen der Verhaltensstörungen

Bei der Ursachenforschung sollten Sie der Herkunft Ihres Hundes Aufmerksamkeit schenken. Wurde Ihr Welpe in einem kleinen Dorf geboren und hat die ersten Wochen auf einem großen Grundstück in ruhiger Lage verbracht, ehe er zu Ihnen in ein städtisches Viertel kam, kann er möglicherweise mit dem ständigen Lärm und den vielen unbekannten Geräuschen überfordert sein. Gerade der Straßenverkehr wirkt dann so beängstigend auf den jungen Hund, dass er sich nicht hinaus traut und sich lieber zitternd verkriecht als sich auf den Spaziergang zu freuen. In diesem Fall muss der Hund sanft und mit viel Geduld an Geräusche gewöhnt werden. So kann er am Anfang im Auto zu einem ruhigeren Park gefahren werden und dann auf verkehrsarmen Nebenstraßen spazieren geführt werden, ehe er bereit für stark befahrene städtische Straßen ist.

Ein weiterer Klassiker bei Hunden ist die Trennungsangst: Sobald Herrchen oder Frauchen das Haus verlassen will, dreht der Hund förmlich durch. Bleibt er alleine zurück, richtet er große Schäden an der Einrichtung an, setzt Urin oder sogar Kot ab und bellt und winselt. Hier hilft leider nur Härte: Sie dürfen nun nicht nachgeben und zuhause bleiben oder die Trennung lange hinauszögern. Ein uralter, aber noch immer sehr effektiver Trick ist das T-Shirt mit Ihrem persönlichen Körpergeruch, das Sie dem Hund ins Körbchen legen. So fühlt er sich seinem Menschen nahe. Nach einigen Trennungen wird er lernen, dass Sie immer zu ihm zurückkommen.

Was tun mit aggressiven Hunden?

Ein heikles Thema ist aggressives Auftreten bei Hunden. Wer kennt den Klassiker nicht, wenn der laut kläffende große Hund beim Spaziergang auf einen fremden Menschen zuläuft und der Besitzer versichert: „Der will nur spielen„? Lautes Bellen, das Anspringen von anderen (fremden) Menschen und vor allem das Beißen sind jedoch Unarten, die dem Hund abgewöhnt werden müssen. Ein scheinbar verspieltes „Schnappen“ kann leicht in gefährlichen Verletzungen münden. Welpen sollten daher von Anfang konsequent erzogen werden und lernen, dass sie einen niedrigen Platz in der Rangordnung des Rudels einnehmen. Holen Sie sich einen erwachsenen Hund ins Haus, der sich als aggressiv auftretender, laut bellender Schnapper entpuppt, ist ebenfalls ein strenges, konsequentes Auftreten gefragt. Allerdings ist hier auch zu klären, woher diese Verhaltensweisen stammen. Wurde der Hund von seinem Vorbesitzer schlecht behandelt, kann es sein, dass hinter dem aggressiven Auftreten enorme Angst steckt. Angst, die nun verstärkt werden könnte. Holen Sie sich in diesem Fall am besten Hilfe von einem erfahrenen Tierpsychologen oder Tierarzt. 

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