Scheinträchtigkeit

So manchen Hundebesitzer hat schon die Panik ergriffen, wenn seine Hündin auf einmal ein seltsames Verhalten an den Tag legt und alle Anzeichen einer Trächtigkeit zeigt – wo sie doch gar keinen Kontakt zu Rüden hatte. Keine Sorge, in fast allen Fällen führt die Hündin kein nächtliches Doppelleben, sondern ist ganz einfach scheinträchtig. Dies ist ein ganz normaler hormonell bedingter Vorgang.

Wie kommt es zur Scheinträchtigkeit bei Hündinnen?

Wie alle weiblichen Lebewesen sind auch Hündinnen einem Hormonzyklus unterworfen, der mit dem Eisprung zusammenhängt. Hündinnen werden zweimal pro Jahr läufig, d.h. in dieser Zeit sind sie empfänglich für eine Befruchtung. Der Körper produziert dann große Mengen Östrogen um den Eisprung auszulösen. Ist dieser erfolgt, wird das Schwangerschaftshormon Progesteron gebildet. Diese Phase dauert im Schnitt neun Tage. Kommt es dann nicht zur Befruchtung, regelt der Körper der Hündin die Hormone wieder herunter. Allerdings führt die schnelle Rückbildung von Progesteron dazu, dass der Organismus der Hündin glaubt, es habe eine Geburt stattgefunden. Er bildet nun fleißig Prolaktin, das die Milchdrüsen zur Produktion von Milch für die (nicht vorhandenen) Welpen anregt. Nicht jeder Organismus reagiert jedes Mal auf diese Weise – daher muss nicht nach jeder Läufigkeit mit einer Scheinträchtigkeit gerechnet werden. Manche Hündinnen erleben sie gar nicht. Problematisch wird es nur, wenn die Hormone zu Verhaltensänderungen bei der Hündin führen.

Wenn die Scheinträchtigkeit zum Problem wird

Beim normalen Verlauf der Scheinträchtigkeit wird der Besitzer nur einige Milchtropfen an den geschwollenen Zitzen der Hündin bemerken – oder auch gar nichts von der Scheinträchtigkeit mitbekommen. Die hohe Produktion des Hormons Prolaktin kann jedoch auch zu psychischen Veränderungen bei der Hündin führen. So zeigen manche einen ausgeprägten Drang zum Nestbau und schleppen alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in eine ruhige Ecke – darunter auch Schuhe, Socken oder andere Kleidungsstücke ihrer Besitzer. Manche Hundedamen werden unter dem Einfluss von Prolaktin extrem anhänglich und wollen ständig gestreichelt und mit Aufmerksamkeit verwöhnt werden. Andere reagieren dagegen gereizt auf ihren Besitzer und schnappen sogar nach ihm, wenn er beispielsweise seinen Schuh aus dem Nest holen will.

Solange die Hündin nur mit erwachsenen Menschen zusammenlebt, ist dies in der Regel kein Problem – sobald sich das Prolaktin zurückgebildet hat, wird die Hündin wieder ihr normales Verhalten zeigen. Leben jedoch kleine Kinder im Haushalt, kann eine gereizte aggressive Hündin durchaus gefährlich werden, wenn sie unversehens nach dem Kind schnappt. Das Vertrauensverhältnis ist dann dauerhaft gestört.

Wie der Tierarzt bei Scheinträchtigkeit helfen kann

Ein leichtes Beruhigungsmittel kann helfen um die Hündin entspannter durch diese Phase der hormonellen Aufruhr zu bringen. In schweren Fällen verabreicht der Tierarzt ein Medikament, das die Menge an Prolaktin wieder reduziert und somit die Scheinträchtigkeit vorzeitig beendet.

Weiterhin kann es sinnvoll sein, ihr während der Scheinträchtigkeit einen Halskragen anzulegen, so dass sie sich nicht selbst am Gesäuge lecken kann – dies stimuliert nur die weitere Milchbildung.

Eine Kastration ist zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll. Wenn die Hündin jedoch nach (fast) jeder Läufigkeit eine Scheinträchtigkeit entwickelt und von Seiten der Besitzer kein Wunsch nach tierischem Nachwuchs besteht, kann eine Kastration auf lange Sicht die beste Lösung sein.

Was können Besitzer bei Scheinträchtigkeit noch tun?

Am besten ist es, für möglichst viel Ablenkung zu sorgen, so dass die Hündin nicht auf ihre imaginären Welpen fixiert ist. Lange Spaziergänge und gemeinsame Spiele zuhause sind ideal. Wenn die Hündin immer wieder bestimmte Schuhe oder Stofftiere der Kinder abschleppt, kann es sein, dass sie diese für ihre Welpen hält. Am besten werden sie so weggeräumt, so dass sie nicht sehen oder erreichen kann.

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